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May und Nitsche in der VITA-MINE – Ausstellung – 24.10. – 6.12.20 Eröffnung 24.10. – 18.00 Uhr

How do these boys come to be like that?

Intro Jürgen May/Michael Nitsche

Gegenüberstehen wie Spiegelbilder, sich im Anderen wahrnehmen, empfinden und erkennen, frei, ohne das Wahrgenommene zu bewerten oder zu verurteilen. Und immer wieder Einlassen, tiefer Hinabsteigen in das Eigene im Anderen: Ich bin du und du bist ich.

Michael Nitsche

Der Geruch archaischer Wucht

Seit Jahren nutze ich Vorstellungen, Bilder, Überlieferungen und Konzepte aus Märchen, Mythen und Schöpfungsgeschichten indigener Völker für meine Arbeit. So besitzen meine Figuren einen starken erzählerischen Aspekt und eine positive Unzivilisiertheit.

Meine Mischwesen aus menschlichen und tierhaften Anteilen sprechen formal eine allgemein eher als verstörend und hässlich empfundene Sprache. Ihre Körperhaftigkeit wirkt verletzlich, morbid, ihre Extremitäten teilweise missgestaltet oder fehlend. Ihre Erscheinung verströmt den Geruch einer archaischen Wucht, einer natürlichen Wildheit.

Ich denke manchmal, wenn ich meine Arbeiten in einer Ausstellung versammelt sehe, an eine Art Freak Show. Eine Ansammlung von Sonderlingen, allesamt aus der Zeit gefallen; jeder mit einer besonderen Begabung oder einem besonderen Handicap, die es zu wertschätzen gilt. Genauso, wie jedes Leben gewürdigt werden sollte, als eine Facette in einer allumfassenden Schöpfung.

Ich sehe in meiner Arbeit nichts Negatives. Ganz im Gegenteil! Indem ich Geschichten über Vergänglichkeit, Fragilität und Tod, die Ergründung von Mystik, Magie und Transzendenz mit meinen Plastiken, Photographien und Zeichnungen ergründe, spanne ich den Bogen über alle Aspekte unseres Menschseins, unseres Lebendigseins. Bedingungen und Zustände, die wir immer gerne in unserer Hochglanzkultur ausklammern, spreche ich direkt an. Und ich vertraue auf die positive Kraft, die aus der Ehe des Paares Hässlichkeit und Schönheit hervorgeht!

Und dann habe ich mehr Vertrauen in Kulturen, die wir primitiv nennen, die sich aber so ausgerichtet und angepasst haben, dass sie Jahrtausende überdauern, als in eine Pop-Korn-Kultur, der es in, erdgeschichtlich gesehen, kürzester Zeit gelingt, sich an den Rand des Abgrunds zu manövrieren und die sich ganz bewusst mit dem Potential der Selbstausrottung schmückt und dabei auch noch zivilisiert nennt.

(Auszüge aus einem Interview, das der Kurator Yvan Sikiaridis, Grimmwelt Kassel, mit Michael Nitsche am 06.06.2020 per Videokonferenz führte)

Jürgen May

Waldschatten und erhellte Geister

„Im Wald gibt es viele unbeschrittene Pfade, die an fremde Orte führen. Vorausgesetzt man hat den Mut, sie zu beschreiten. Mit einem flüchtigen Blick erhasche ich ein Getier. Es kommt mir menschenähnlich vor und dennoch fremd; ist es wohl gesonnen oder doch furchteinflößend? Allein die Vorahnung einer Begegnung mit dem Unbekannten lässt mein Herz schneller schlagen.“

Jürgen May

So wie viele Erfahrungen nicht vorhersehbar sind, ist auch die Malerei von Jürgen May nicht fest. Selbst auf Holz manifestiert, sind die figurativen Formulierungen mittels Farbe in ihren Formen nicht verfangen. Denn sie brechen aus und befinden sich in einer narrativen Entwicklung. Stets auf dem Weg zum nächsten Fragment schreiten sie durch die Bilder. Meist offenbaren sie sich nur in flüchtigen Augenblicken. Manchmal treten uns schemenhafte Chimären oder verblasste Menschengestalten entgegen, die uns als Wegbegleiter weiter in das Dickicht der Farbräume führen. Auch wenn der Künstler sich Waldmotiven bedient, wählt er eine unnatürliche Farbigkeit, die im Kontrast zur Motivik steht. Die Malerei nimmt dabei eine eigene Realität an, ist aber genährt von der unseren und findet darin eine neue Materialität. Sie oszilliert, gleichzeitig steht dagegen ein fester Pinselstrich, um das Wahrgenommene nicht im Nebel der Abstraktion zu verlieren. Es ist eine sinnliche Geschichte, die sich vor uns ausbreitet. Die bemalte Oberfläche verändert sich im Prozess des Betrachtens, vor allem wenn wir die Begleiter als janusköpfige Boten entlarven. Diese Wahrnehmung ist für den Künstler etwas Ursprüngliches. Die Illusion vom fixierten Bild wird gegen ein schwebendes, wandelbares eingetauscht, so dass der Betrachter mit seinem eigenen Blick die eigenen Perspektive in das Geschehene hineinprojizieren kann. Ein Spiel zwischen dem Gesehenen und dem Erahnten lässt keine narratologische Analyse zu, sondern lässt den Betrachter in den dämmernden Farben zurück. Die Gemälde fließen in ihrer eigenen Gegenständlichkeit und finden dennoch in unserem Umraum statt. Im Kontrast zu den farbigen Bildern steht die Arbeit der Tafelmalerei, die der Künstler unter dem Titel „die Flüchtigen“ zusammenfasst. Hier zeichnet er mit Kreide auf Holzplatten, die er zuvor mit Tafellack aufbereitete. In diesen Bildern verliert sich das Gesehene in der Dunkelheit des Unbestimmten im Schatten des Waldes.

Karl Schaper in der VITA-VILLA – „DIE DEUTSCH-DEUTSCHE FRAGE“

PROJEKT KARL SCHAPER 100
Karl Schaper „Die Deutsch-Deutsche-Frage“
Zeichnungen, Malerei, Objekte
Ausstellung in der Galerie Die Vita-Villa
Kleiner Zimmerhof 9/38300 Wolfenbüttel

Eröffnung 28.08. 2020

Es spricht Margot Michaelis/Kunstvermittlerin

Die Ausstellung „Karl Schaper und die Deutsch-Deutsche-Frage“ wird in Wolfenbüttel gezeigt, wo der Künstler Karl Schaper
gelebt und gewirkt hat. Sie wird ergänzt durch Filmsegmente aus dem Film „Eisenbahn nach Japan“ – Eine Entdeckungsreise in die Welt des Künstlers von Manfred Bannenberg und eine Videopräsentation „Karl Schaper – Holzbriefe –eine Auswahl“ zum Thema „Deutsch-Deutsche- Frage“ aus der Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg

Kuratiert wurde die Ausstellung von Manfred Bannenberg (Filmemacher) und Margot Michaelis (Kunstvermittlerin) zusammen mit Hans Schaper, Sohn des Künstlers. Es ist eine Wanderausstellung, die anlässlich von 30 Jahre Grenzöffnung und Wiedervereinigung 2019 im Pforthaus im Amt Neuhaus/Elbe und 2020 im Kunstfleck Dahlenburg gezeigt wurde.

Die Ausstellung „Die Deutsch-Deutsche-Frage“ gehört zum Projekt „KARL SCHAPPER 100“ , ebenso der Film Eisenbahn nach Japan“ Eine Entdeckungsreise in die Welt des Künstlers von Manfred Bannenberg. Premiere voraussichtlich im September/Oktober im Universum Braunschweig. Ein Sommerfestival wird am 12./13. September im Atelier- und Wohnhaus der Schapers in Apelnstedt stattfinden. (Das Projekt „KARL SCHAPER 100“ wird von der Braunschweigischen Stiftung gefördert.)

Erläuterung zur Ausstellung und zum Künstler

Karl Schaper (1920-2008) hat sich wie kaum ein anderer deutscher bildender Künstler so dezidiert und über einen so langen Zeitraum mit seinem Land: Deutschland beschäftigt. Es erstaunt, wenn man die Entstehungsjahre der Bilder und Objekte von Karl Schaper betrachtet. Da werden schon sehr früh Fragen gestellt, die bis heute aktuell und nicht wirklich beantwortet sind.

Immer wieder stellt er die Frage nach dem Zustand, den Befindlichkeiten und den Veränderungen im Land. Er thematisiert in verschiedenen Varianten zum Beispiel „Das deutsche Haus“ , das mal „zu weit rechts“ dann wieder „zu weit links“ mal „zu groß“ und mal „zu klein“ ist.

Schon früh warf er mit Werken wie „Wiedervereinigungskrankheit“ oder „Westpalmen – Ostpalmen“ Fragen zur Deutsch-Deutschen Teilung auf. Er kommentierte nach der Grenzöffnung sehr eigenwillig mit Ironie in provokanten Gemälden das Erscheinen der Trabis und die Begegnung von Ost- und West-Bürgern. Werke, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Im Sommer 1990 denkt der Künstler Karl Schaper auf sehr poetische Weise einerseits über die Früchte des Gartens in Apelnstedt und andererseits über die Wiedervereinigung nach. Dem Betrachter seiner Bilder stellt er sich verschmitzt als „Gärtner – und Vereinigungsbeobachter“ vor. Das steht im Absender eines in Briefform gestalteten Werkes. Ein Brief, den er an den „Deutschen Sommer 1990“ adressiert hat. Ein Beispiel seiner eigenwilligen Schöpfungen, in denen der Brief als Mittler einer Künstler-Botschaft fungiert. Das Motiv des Briefes, gezeichnet, gemalt oder als Objekt steht als originäre künstlerische Erfindung im Zentrum des vielfältigen Werkes von Karl Schaper.

Die originellen „Holzbriefe“ haben Schaper berühmt gemacht. Die großen geschnitzten und beschriebenen Objekte adressierte er zum Beispiel „An meyn liebes Deutschland“ – Absender Heinrich Heine – meist aber an historische Persönlichkeiten. Seine Adressaten sind Noah in Ararat oder Ovid, er schreibt an Christoph Columbus oder die Genossen in der CSSR. Noah schickt er die Friedenstaube zurück: „Produktion einstellen. Hat nichts genützt“. Ein „Brief des scheidenden Vorsitzenden Willy Brandt“ war adressiert an die SPD. An den Bundeskanzler Doktor Kohl in Bonn schreibt er in pfälzischem Sprachduktus auf die Absenderseite des Objektes „Ti Toitsche Fracke Pleibt völlick offen Herr Toktor Kohl“. Dieser Brief bildet das Zentrum der Wolfenbütteler Ausstellung. Zudem werden weitere Holzbriefe zum Thema in einer Videopräsentation gezeigt.

Man hat Karl Schaper auch als „Niedersächsischen Weltkünstler“ bezeichnet. Und das trifft die Bedeutung des Künstlers, der im Kreis Wolfenbüttel gelebt und gearbeitet hat, sehr gut. Auch wird gesagt, er habe die Provinz zu seiner Stärke gemacht und von da aus seine sehr eigene Kunstsprache und Perspektive geschaffen, mit der er sich zu menschlichen, aber vor allem zu Menschheitsfragen positionierte. Selbst hat er sich als mahnenden und engagierten Künstler gesehen, wie er in einer Rede zur Verleihung des SPD-Kulturpreises an ihn 1987 bekennt.

Schaper schuf Werke in vielen Gattungen: Malerei, Zeichnung, Druckgrafik und vor allem Objekte und große Installationen. Auch Texte waren wichtiger Teil seiner Arbeit. Mit seinen einzigartigen künstlerischen Erfindungen war er ein Künstler, den man noch heute als modern bezeichnen kann.

Er blickte von Apelnstedt bei Wolfenbüttel in die Welt, in seine Zeit und über seine Zeit hinaus. Obwohl sein Werk aus einem großen Bildungshorizont kam, war es nie belehrend oder abgehoben. Durch seinen Humor, seine Hintergründigkeit und zugleich Tiefgründigkeit fordert Schaper in seinen Werken den Betrachter heraus.

Oft ist man irritiert beim Betrachten von Schapers Werken, vielleicht schmunzelt man auch zuerst oder lacht sogar. Aber dann passiert doch mehr. Da werden Bilder zu Botschaften und Erkenntnisse zu Bildern. Man staunt, wie virtuos und unkonventionell Karl Schaper die verschiedenen Kunstgattungen und Ausdrucksformen vom Zeichnen über Malerei bis zum Objekt für seine Botschaften an die Welt nutzt und neu interpretiert.

Im Sprengel-Museum in Hannover ist sein aus Holz geschnitzter und bemalter „Niedersachsenaltar“ zurzeit ausgestellt, der gleichsam ein „Meisterstück“ des Künstlers ist und viele seiner Themen umfasst. Da verbindet er die Rüben der Schöppenstedter Mulde mit den Fragen nach der Erbärmlichkeit des Krieges und den Kriegstraumata seiner Generation. Eingebunden in seine eigene Geschichte als Fragender, als einstiger Wehrmachtssoldat, als Zeitkritiker und als Lebens-Genießer – etwa in seiner Zeit bei Leger in Paris.

Viele von Schapers Werken befinden sich in Museen und Galerien und auch in Privatbesitz.

Schaper war gemeinsam mit seiner Frau Susanne bei der zweiten Documenta vertreten, er bekam ein Stipendium für die Villa Massimo und etliche weitere Preise. Sein Werk wurde in vielen Ausstellungen präsentiert.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Schapers Werken, die sich seit den 60erjahren mit der Ost-West-Problematik befassen. Sie wurde zuerst 2019 in Neuhaus an der Elbe gezeigt. Neuhaus gehörte zu DDR-Zeiten zu Mecklenburg und kam nach der Grenzöffnung zu Niedersachsen. Auch eine deutsch-deutsche Angelegenheit. 2020, anlässlich 30 Jahre Wiedervereinigung, wanderte die Ausstellung ins westlich der Elbe gelegene Dahlenburg, gegenüber von Neuhaus.

Und nun kommt sie an den Ausgangspunkt der Schaperschen Kunst zurück – nach Wolfenbüttel. Somit werden im Jahr 2020 anlässlich des hundertsten Geburtstags von Karl Schaper in der Galerie VITA-VILLA in Wolfenbüttel Originalwerke des Künstlers zu sehen sein.

Margot Michaelis

Renate Puvogel : So schlecht ist die Antwort nicht, die der Künstler Karl Schaper als achtjähriger Knirps auf die Frage gab, was er denn einmal werden wolle: Kunstmaler und Balladendichter.

Joachim Büchner: Die hölzerne Briefform, die er wählt, ist unbequem, derb und herb und groß, nicht gefaltet in die Tasche zu stecken, nicht bequem und getrost hinwegzutragen, nicht so leicht zu vergessen. Schapers Kunst ist in solcher Art allermeistens unbequem.

Quelle: Karl Schaper Sprengel Museum Hannover, 1988

Auf der Internetseite: Karl-Schaper.de kann man sich weiter über den Künstler informieren.

… und täglich liest der Stelzner hier!

 

 

Live und in laut und bunt!

Und täglich liest der Stelzner hier!
– Der neue Streifen auf und von Stelzflix! –
Die tägliche Lesung in den Viten!
Von Montag – Freitag ab 17.30 UhrUnd Samstag u. Sonntag ab 15.00 Uhr
…. Mo, Mi, Do, So – Mine!
…. Di, Fr, Sa – Villa!
Falls sich Kollegen einfinden und einsteigen wollen in die tägliche Show, ob nun mit Literatur o. Musik – bütteschööön – ihr seid herzlichst eingeladen!
Und wenn das geneigte Publikum anschließend
etwas in den Hut tut,
macht das Mut
und tut gut! –
Wir tun ’s nicht nur für uns,
wir tun ’s auch für die Kunst!
Heute ab 17.30 in der Villa! Mit Abstand können wir ca. 10 Gäste auf der Fläche „bespielen“! Ich freu mich auf euch!

Foto: Verena Meier

Margot Michaelis (Kunstvermittlerin) über die Kunst und die Ausstellung von Susanne Hesch in der VITA-VILLA

Susanne Hesch AUSSTELLUNG VITA-VILLA flussaufwärts

Eine weibliche Figur hält sanft ein Schiff, als wolle sie es zu Wasser lassen. Als blaue Spur deutet sich ein Fluss an. Darüber drei Brückenpfeiler. Das Bild ist auf einer topografischen Landkarte malerisch angelegt, zugleich ge-funden und er-funden. Vielleicht diente ja das Schiff dem Transport der Bilder, die nach einer imaginären Reise auf der Oker „flussaufwärts“ kommend – in der Wolfenbütteler Galerie Vitavilla gelandet sind.

Für die Ausstellung hat die Künstlerin ältere und neuere Arbeiten ausgewählt, die sich auf sehr unterschiedliche Weise dem Thema „flussaufwärts“ widmen. Der Titel nimmt Bezug auf den Ort der Ausstellung: die Oker, die Gräben rund um die Galerie. Dann aber eröffnen sich weitere Bedeutungsfelder, die die Künstlerin selbst so beschreibt: „vom Fließen der Farbe und der Linie und vom Fließen der Zeit, vom Gegen-den-Strom-Schwimmen und Sich-treiben-lassen, von Booten und Brücken, vom Verbindenden und Trennenden.“ (Susanne Hesch/Pressetext)

Die Bewegung des Wassers wird zur Metapher für die Bewegungen des menschlichen Lebens und Seins. So wie es schon der griechische Philosoph Thales von Milet beschrieb: „Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“ Wasser ist das Ungewisse, es ist schwer zu fassen und immer in Bewegung, wie das Leben selbst. Es bedeutet Lust und Gefahr zugleich.

Gleich im Aufgang hängt ein kleinformatiges Aquarell: „Kleine Figur, springt“. In der Bilddiagonale sehen wir den wie einen Pfeil elegant ins Wasser Springenden – begleitet von einem roten Farbleuchten. Bloß ein Strich zeigt das Wasser an und über ihm schwebt eine dunkle Wolke, rot durchsetzt. Für mich ist das Bild Ausdruck eines Glücksmoments. Aber auch Wagnis. Ein Zauber geht davon aus, wie diese wenigen Andeutungen, die aus dem Papierweiß hervortreten, uns ein elementares Erlebnis vor Augen führen.

Auf dem Gemälde „flussaufwärts“ von 2020 treffen Imaginäres und Reales, Bestimmtes und Unbestimmtes in spannungsvoller Weise zusammen. Traumwandlerisch erscheint die Figur unter wolkenartigen Gebilden in einer unbestimmten Landschaft – vielleicht zwischen Land und Wasser? Vielleicht auf einer Brücke? – Ist es ein Nachdenken, ein Abwarten oder ein Stillhalten?

Es geht in den Arbeiten von Susanne Hesch um Urbewegungen menschlicher Gefühle, ausgedrückt durch zarte, meist stille Gesten, denen wir Erfahrungen, Erinnerungen und Empfindungen ablesen können.

Wir sehen meist weibliche Gestalten, Gesichter, Büsten, oder auch Paare. Auf das eigene Ich bezogene feine Gebärden und stille Gesten zeugen von Empfindsamkeit und Verletzbarkeit, aber auch von Lust und Selbstwahrnehmung, von zurückhaltender Sinnlichkeit. Seltener entsteht Dynamik, wie bei „Handgemenge“, einer wirbelnden Umarmung, oder dem erotischen roten Akt.

Schattengestalten“ scheinen aus dem Nichts zu kommen, die eine streckt ihre Hand in ein Gefäß, als wolle sie etwas schöpfen, eine andere erscheint wie eine rätselhafte Madonna vor zwei gläsernen Kelchen. Der sie umgebende Bildraum wirkt raumlos, in der Schwebe zwischen Nähe und Unendlichkeit. Man spürt Befindlichkeiten, die in der Stille wahrnehmbar werden. Die Figuren können ebenso bei sich sein oder ausgesetzt. Vielleicht warten sie aber auch auf das Glück, das richtige Lebensschiff zu erreichen, wenn man das Meer erreicht.

Dann das Motiv der offenen erhobenen Hände. Durch die Ausschnitthaftigkeit betonen sie den Zeige- oder Hinweischarakter zu einer Gebärde mit hoher Symbolkraft. Ein Roter Fleck in der Handfläche erinnert an das biblische „Zeig mir deine Wunde“, das Verletzung und Schmerz allgemeingültig macht. Der Titel der Handmotive: „Was man in der Hand hat“, eröffnet in seiner Mehrdeutigkeit weitere Interpretationen.

An den Wänden der Galerie wirken viele der Bilder licht und schwebend – vor allem durch die Offenheit der Form und die malerische Transparenz. Das Durchscheinende, Semitransparente und dadurch Ungewisse findet man in kleinformatigen Aquarellmalereien ebenso, wie in den großen Formaten auf Transparentpapier oder festem Bildgrund. Dabei experimentiert die Künstlerin mit unterschiedlichen Materialien. Sie stellt den Farbigkeit zurücknehmenden Haupttönen auf der Basis von Weiß und Schwarz oft ein kontrastierendes Rot oder Grüngelb entgegen. Damit schafft sie eine wohl ausgelotete Spannung, die den Bildern eine besondere Anziehungskraft verleiht.

Die poetischen Titel eröffnen einen weiteren Interpretationsraum für die eigene Betrachtung. Sie unterstützen die Deutung der Gefühlswelt, die in den Arbeiten durch gestische und mimische Andeutungen oder Setzungen entworfen wird. Dabei erscheinen die Bilder einerseits verrätselt, andererseits doch immer zugänglich durch die Sprache der Malerei, die Poesie der Motive.

Corona zum Trotz – aber mit gebührendem Abstand – lasse ich Sie jetzt mit den Bildern von Susanne Hesch allein.

Margot Michaelis

Kunstvermittlerin

Wer rettet das Klima? -Vortrag und Diskussion – Dr. Tadzio Müller u. Stephan Krull – DIE VITA-VILLA

Wer rettet das Klima? Die Klimakrise eskaliert, und um die schlimmsten Folgen noch abzuwenden, muß sofort gehandelt werden. Was aber tut unsere Regierung? Sie vollzieht seit Jahrzehnten konsequent eine marktkonforme Klimapolitik. Große Worte, halbherzige Bes

chlüsse und Belastungen für den Steuerzahler. Was machen die Parteien? Die Gewerkschaften? Auf jeden Fall nicht genug. Die Bevölkerung bleibt- zum großen Teil – gelassen, ihre noch erlebbare Zukunft erscheint ihnen noch nicht eingetrübt zu sein. Solidarität mit bedrohten Ländern? Solidarität mit den nachfolgenden Generationen? Im Prinzip selbstverständlich, aber……. Es ist nicht überraschend, dass die, die sich als betroffen erleben müssen, also z.B. Schüler*innen und Studierende den Aufstand gewagt und die Gesellschaft aus ihrer Apathie gerissen haben. Was aber kann man langfristig von FFF und der breiteren Klimabewegung überhaupt erwarten? Tadzio Müller sieht in FFF und den kooperierenden Bewegungen zur Zeit die einzigen umwälzenden Kräfte und begründet dies mit überzeugender Klarheit. Stephan Krull setzt in seinem Kommentar eher gewerkschaftliche Akzente. Es bleibt genug Zeit für Fragen und Diskussion. Tadzio Müller ist promovierter Politikwissenschaftler und Referent für Klimagerechtigkeit und internationale Politik der Rosa-LuxemburgStiftung. Als engagierter Aktivist hat er nicht nur die globalisierungskritischen Bewegung mitgeprägt (Proteste in Seattle, Prag und Heiligendamm), er war auch Mitorganisator der Castor-Proteste und ist seit 12 Jahren in der Klimabewegung aktiv (er war u.a. Sprecher des internationalen Netzwerks „Climate Justice Action“ und Mitbegründer von „Ende Gelände“). Stefan Krull ist gelernter Schriftsetzer und hat in einer Lackiererei bei VW gearbeitet. Von seiner Jugend an war er politisch und gewerkschaftlich engagiert. Seine wichtigsten Engagements und Tätigkeiten: Mitbegründer der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend, Mitglied der DKP, später Mitglied der Partei DieLinke, Mitglied des Landesvorstandes Sachsen Anhalt, Mitglied im Vorstand der IG Metall Wolfsburg, Referent in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, , Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-StiftungNiedersachsen, Mitbegründer der Attac-Arbeitsgruppe „ArbeitFairTeilen“, Koordinator des Gesprächskreises „Zukunft Auto Umwelt Mobilität“ der Rosa Luxemburg-Stiftung.

Ort: Vita-Villa, Kleiner Zimmerhof 9, Wolfenbüttel Zeit: 18:30 Eintritt frei Veranstalter: „aufstehen“-Wolfenbüttel

TIMO RÖDIGER „Identicons“ Vier & Jetzt 17.01.20 – 19.00 Uhr – VERNISSAGE

IDENTICONS – Menschen als Gender-Icon
Am Freitag, 17. Januar um 19.00 Uhr eröffnet die Ausstellung IDENTICONS VIER & JETZT in der Vita-Villa in Wolfenbüttel. Der Braunschweiger Grafiker Timo Rödiger zeigt die grafische Reduzierung von bekannten Persönlichkeiten auf das wesentliche Wiedererkennbare. Die Gender-Symbolik – ein Kreis mit Kreuz oder Pfeil – ist das formale Gerüst. Das Ziel: Maximaler Aussage durch minimale Veränderung.
IDENTICONS sind eine humorvolle und geistreiche Entdeckungsreise für Kreuz- und Querdenker. Entdecken Sie bekannte, liebenswerte aber auch umstrittene Persönlichkeiten aus Politik, Business, Kunst, Sport, Musik etc.
Die Ausstellung läuft bis zum 1. März 2020 in der Vita-Villa, Kleiner Zimmerhof 9 in Wolfenbüttel immer dienstags, mittwochs und freitags von 15.00 bis 19.00 Uhr.
Das 92-seitige Buch zur Ausstellung gibts für 7,90 Euro vor Ort, oder in Braunschweig bei Graff, Heimatrausch, im Bücherwurm oder in der VITA-MINE, Karl-Marx-Str.6.Timo Rödiger Jasperallee 82, 38102 Braunschweig 0176 . 23 25 65 02